Heute ist der 24. Dezember.

Für viele beginnt jetzt die Zeit der Geschenke, der Familie, der Traditionen.

Und vielleicht auch: die Zeit der kleinen, unbequemen Momente.

Momente, in denen dir bewusst wird, dass jemand an dich gedacht hat – und du mit leeren Händen dastehst.

Genau so ein Moment hat mich gestern getroffen. Und er hat mich nicht mehr losgelassen.

Weil er mich direkt an das Herz von Weihnachten erinnert hat:

Gott schenkt – und wir können nichts zurückgeben, was wirklich dazu passt.

Das ist unbequem. Aber vielleicht ist es genau der Ort, an dem echter Glaube beginnt.

Lass mich dir erzählen, was passiert ist.

Beschenkt und leer in der Hand – ein Weihnachtsgedanke

Weißt du, wie sich das anfühlt, wenn du weißt, jemand hat etwas für dich – und du hast nichts für diese Person?

Nicht „eigentlich schon, aber es ist noch nicht angekommen“.

Sondern wirklich: nichts.

Kein Plan B.

Kein „liegt noch im Schrank, hab ich nur noch nicht eingepackt“.

Nur dieses leise Ziehen im Bauch: Ich werde gleich beschenkt – und stehe mit leeren Händen da.

Heute ist der 24.

Klar, du denkst dir vielleicht: Ja, Dante, wir wissen alle, was jetzt kommt. Der klassische Weihnachtsimpuls.

Und ja, in gewisser Weise stimmt das.

Es ist der 24. Ich bin Pastor. Du liest das hier. Die Wahrscheinlichkeit eines Impulses war, sagen wir mal, nicht gering.

Aber ich will dich da mit hineinnehmen, wo dieser Gedanke wirklich angefangen hat – nicht im Kalender, sondern in einem ziemlich alltäglichen Moment.

„Mist, ich hab gar nichts…“

Gestern, bevor wir zu meiner Mutter nach Marburg gefahren sind, habe ich etwas mitbekommen, das mich nicht mehr losgelassen hat.

Raquel hatte ein kleines Päckchen vorbereitet. Für mich.

Jetzt musst du wissen:

Raquel und ich sind nicht die „große-Geschenke-und-teure-Überraschungen“-Menschen.

Wir schenken uns selten etwas Großes.

Meistens sind es Kleinigkeiten – etwas Gebasteltes, ein kleines Detail, etwas, von dem wir wissen: Das zaubert dem anderen ein Lächeln ins Gesicht.

Nichts Spektakuläres nach außen. Aber innerlich: kostbar.

Und trotzdem war da dieser Moment: Ich sehe das Päckchen – und in mir ist plötzlich nur dieser Gedanke:

Mist. Ich hab nichts für sie.

Kein Plan, keine versteckte Reserve, kein „ich renn gleich noch schnell los“.

Nur das ehrliche Unbehagen: Sie hat an mich gedacht – und ich hab nichts in der Hand.

Ich weiß nicht, wie du so unterwegs bist beim Thema Geschenke.

Manche lieben das, planen Wochen vorher, beobachten heimlich Andeutungen. Andere sagen: „Lass uns das mit den Geschenken einfach sein lassen, der Stress lohnt sich nicht.“

Und dann gibt es die dritte Gruppe: die, die irgendwo dazwischen sind – die schon gern schenken, aber regelmäßig zu spät dran sind.

Raquel und ich haben uns schon länger mit diesem ganzen Geschenk-Thema auseinandergesetzt.

Wir haben gemerkt: Es lohnt sich kaum, vor Weihnachten irgendwas zu kaufen. Ab dem 26. ist sowieso alles billiger. Da bekommst du nicht nur ein Geschenk, sondern gleich fünf für denselben Preis.

Und das, was vorher ewig ausverkauft war, taucht plötzlich wieder auf – in drei Varianten, mit Bonusfunktion. Überraschung.

Vielleicht ist das für viele das wahre Weihnachten: Schnäppchen, Rabatte, volle Tüten.

Aber genau darum geht es mir heute nicht.

Beschenkt sein, ohne etwas Passendes zu haben

Was mich nicht losgelassen hat, war dieses Gefühl vor dem kleinen Päckchen:

Ich habe nichts, was zu dem passt, was sie für mich vorbereitet hat.

Und komischerweise habe ich dieses Gefühl als Segen erlebt.

Nicht angenehm – aber heilsam.

Weil es mich 1:1 an die Weihnachtsgeschichte erinnert.

Nicht an das, was wir draus machen – sondern an das, was wirklich dahinter steht.

Fremde, die kommen – und Experten, die sitzenbleiben

Ich habe vor einiger Zeit angefangen, „Das Leben Jesu“ von Ellen White auszuarbeiten. Die ersten Kapitel kreisen natürlich um die Geburt Jesu, aber auch um alles, was drumherum passiert. Und ein Bild daraus lässt mich nicht los.

Da sind diese Weisen aus dem Morgenland (Mt 2,1–12).

Menschen, die offiziell nicht zum „Volk Gottes“ gehören. Keine Israeliten. Keine Sabbatschul-Veteranen.

Sie haben Texte, die nicht aus ihrer eigenen Geschichte stammen. Sie haben Beobachtungen. Einen Stern. Fragmente. Und trotzdem: Sie machen sich auf den Weg. Weit. Mühsam. Langsam.

Sie folgen diesem Licht, sie bleiben dran – und irgendwann stehen sie in einem fremden Land vor einem Kind. Sie beten an. Sie bringen Geschenke. Sie knien vor jemandem, den sie nur aus der Verheißung kennen.

Und parallel dazu: Herodes und „ganz Jerusalem“ (Mt 2,3–6).

Die religiösen Experten wissen ziemlich genau, wo der Messias geboren werden soll. Sie können Herodes die richtige Bibelstelle zitieren (Mi 5,1).

Sie treffen theologisch ins Schwarze – und bleiben trotzdem, ganz praktisch, sitzen.

Die paar Kilometer von Jerusalem nach Bethlehem geht niemand.

Das hat mich getroffen. Weil es so absurd ist – und gleichzeitig so vertraut.

Man kann so nah an der Wahrheit sein. So sattelfest im System.

Und trotzdem bewegt sich das Herz keinen Meter.

Der Priester mit dem Buch

Noch ein Bild aus diesen Kapiteln hat mich erwischt. Ich weiß noch, ich war auf der Autobahn, unterwegs zu einem Besuch, Hörbuch im Ohr. Und dann diese Szene:

Jesus wird im Tempel vorgestellt (Lk 2,21–24).

Alles nach Vorschrift.

Der Priester nimmt das Kind auf den Arm, spricht ein Gebet, gibt ihn den Eltern zurück.

Dann nimmt er das Registerbuch, setzt kurz den Stift an und schreibt: Jesus.

Und geht weiter.

Der Dienst geht weiter, die Abläufe gehen weiter, der Tag im Tempel läuft wie gewohnt.

Ich saß im Auto und dachte mir: Wie krass ist das.

Du hältst den, auf den eine ganze Geschichte gewartet hat – in deinen Armen.

Du sprichst ein Gebet über ihn.

Du schreibst seinen Namen auf – und gehst dann einfach in deiner Routine weiter, als wäre nichts Besonderes passiert.

Bevor ich anfange, mich über diesen Priester lustig zu machen, merke ich: Diggi… das bin ich auch.

Wie oft halte ich das Heilige in der Hand, schreibe es in irgendein System ein – und gehe weiter, als wäre es nur ein Programmpunkt.

Ein Datum ohne Datum

Genauso wenig, wie die Bibel den genauen Tag verrät, an dem Jesus wiederkommt (Mt 24,36), verrät sie das Datum seiner Geburt.

Und trotzdem hat Gott Israel Rhythmen gegeben. Feste. Abläufe. Zeiten, die wie Erinnerungsmarken im Kalender stehen:

Etwas ist passiert. Etwas wird passieren (3. Mose 23).

Weihnachten ist für mich genau so ein Marker geworden.

Nicht: „Heute, am 24., war es ganz sicher.“

Sondern: Heute erinnere ich mich daran, dass er gekommen ist – und dass er wiederkommen wird (Joh 14,3; Apg 1,11).

Und in diesem Jahr verbindet sich diese Erinnerung mit einem sehr menschlichen Gefühl:

Ich bin beschenkt – und ich habe nichts in der Hand, was wirklich dazu passt.

Das Geschenk, das du nicht ausgleichen kannst

Vielleicht feierst du Weihnachten gar nicht gern.

Vielleicht sagst du: „Ich mache da nicht mit. Kommerz, falsches Datum, kultureller Druck.“

Ich verstehe das. Wirklich.

Aber heute möchte ich zwei Dinge unterstreichen:

  1. Gott bleibt der Schenkende.„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab…“ (Joh 3,16).Ob du das Datum magst oder nicht, ob du Geschenke austauschst oder nicht – die Bewegung Gottes ist: Er gibt. Er kommt. Er macht den ersten Schritt.
  2. **Du wirst dieses Geschenk nie „angemessen“ erwidern können.**Wir werden vor Gott gerecht „aus seiner Gnade, umsonst, durch die Erlösung in Christus Jesus“ (Röm 3,24).Es gibt kein Geschenkpapier, kein geistliches Leistungspaket, keinen super frommen Vorsatz, der das ausgleichen könnte, was Gott in Jesus gegeben hat.

Und genau da, glaube ich, wird es heilsam.

Weil du aufhören darfst, ein Gegengeschenk zu suchen, das sowieso nicht existiert.

Vielleicht ist das, was du tun kannst, viel einfacher – fast unspektakulär:

  • Die Gelegenheiten nutzen, die du heute hast.
  • Dankbar zusammen sein. Essen. Lachen. Schweigen.
  • Das Geschenk Gottes in deinem Herzen bewahren, wie Maria es tat (Lk 2,19).
  • Dir bewusst machen: Ich stehe mit leeren Händen da – und genau so nimmt Gott mich an.

Und jetzt?

Ich hätte den Impuls ausfallen lassen können. Heute nichts schreiben. Morgen am 25. etwas posten. Irgendwann im Januar.

Du kennst das: Irgendwas wäre schon gekommen.

Aber ich wollte mir – und dir – heute bewusst machen:

Weihnachten ist der Moment, in dem ich mich traue, beschenkt dazustehen, ohne etwas Passendes zurückgeben zu können.

Vielleicht ist das der ehrlichste Ort, an dem Glaube beginnt.

Nicht da, wo du alles im Griff hast.

Sondern da, wo du sagst:

„Jesus, ich hab nichts, was wirklich zu dir passt.

Aber ich nehme an, was du gibst.

Und ich will das heute nicht überdecken – weder mit Perfektion noch mit Rabattaktionen.“

Wenn du heute also ein kleines Päckchen in der Hand hältst – oder vielleicht gar keins –

dann nimm dir einen Moment und spür hinein:

  • Wo fühlst du dich gerade leer?
  • Wo versuchst du, Gott etwas „zurückzugeben“, was er nie von dir verlangt hat?
  • Und wo könntest du einfach nur sagen: Danke. Ich nehme an.

Vielleicht ist das das eigentliche Geschenk dieses Tages.