Stell dir vor, du schlenderst durch die Straßen deiner Stadt. Die Menschen um dich herum sind wie ein offenes Buch, dessen Seiten du auf den ersten Blick zu kennen glaubst. Aber ist es wirklich so einfach? Ist das Urteil, das du über andere fällst, wirklich gerecht?
In Matthäus 7:1-2 fordert uns Jesus auf, nicht über andere zu richten. „Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt“, sagt er. Denk mal darüber nach: Wie oft haben wir vorschnell jemanden beurteilt, basierend auf einer flüchtigen Begegnung oder einem oberflächlichen Eindruck?
Diese Worte Jesu sind mehr als nur ein moralischer Ratgeber – sie sind ein tiefgründiges Gebot, das uns zur Selbstreflexion und Empathie einlädt. Denn in dem Moment, in dem wir über andere urteilen, legen wir uns selbst die Messlatte für unser eigenes Urteil. „Denn so wie ihr jetzt andere richtet, werdet auch ihr gerichtet werden“, erinnert uns Jesus.
Bist du bereit, diese Messlatte anzupassen? Bist du bereit, die Brille des Vorurteils abzulegen und die Welt um dich herum mit Augen der Liebe und des Verständnisses zu betrachten?
In einer Welt, die so schnell ist, in der Urteile oft in Sekunden gefällt werden, lädt uns Matthäus 7:1-2 dazu ein, innezuhalten und nachzudenken. Es lädt uns ein, nicht nur die Handlungen, sondern auch die Herzen der Menschen zu sehen.
Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir alle ein wenig langsamer werden in unseren Urteilen. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir anfangen, die Geschichten hinter den Gesichtern zu suchen und zu verstehen.
Wie wäre es, wenn du heute damit anfängst? Schau dir die Menschen um dich herum an und frage dich: Was könnte ihre Geschichte sein? Wie würde es aussehen, wenn du ihnen mit Verständnis und Mitgefühl begegnest, statt mit vorschnellen Urteilen?
Durch diese Verschiebung in unserer Wahrnehmung könnten wir vielleicht ein Stück des Himmels auf Erden erleben – eine Welt, in der Verständnis und Liebe die Grundlage unserer Beziehungen bilden.
Denk mal darüber nach. Wie würde eine solche Welt aussehen? Wie würde es sich anfühlen, Teil davon zu sein?
Möchtest du noch weiter in dieses Thema vertiefen? Im Anschluss findest du die Schritte die ich für diesen Impuls gegangen bin. Die Informationen hole ich mir meistens aus BibleHub.com damit auch du es nachschlagen kannst. Auf weiteres, beziehe ich auch viele Infos aus meiner persönlichen Bibliothek in logos.com, eine spezialisierte Bibel-Software.
Gebet:
Herr, öffne meine Augen und mein Herz für die Wahrheiten, die Du mir heute durch Matthäus 7:1-2 zeigen möchtest. Hilf mir, Dein Wort nicht nur zu verstehen, sondern auch im Herzen zu bewahren und in meinem Leben umzusetzen. Möge der Heilige Geist mich leiten, damit ich Deine Lehren klar erfasse und danach handle. Amen.
Kontext des Textes (Hier zum naschlagen):
In Matthäus 7:1-2, eingebettet in die Bergpredigt, spricht Jesus von einem kritischen Aspekt des christlichen Lebens: dem Urteilen über andere. Dieser Abschnitt ist nur ein Teil eines umfassenderen Diskurses, der sich auf Selbstprüfung, Unterscheidungsvermögen, Entscheidungsfindung und die Umsetzung von Jesu Lehren konzentriert.
In der Bergpredigt, die in Matthäus Kapitel 5 bis 7 dargestellt wird, legt Jesus die Grundprinzipien für das Leben im Reich Gottes dar. Vor Matthäus 7 hat Jesus bereits über Themen wie das Gebet, das Fasten, den Umgang mit irdischen Schätzen und die innere Haltung, die über äußerliche religiöse Handlungen hinausgeht, gesprochen.
Matthäus 7 beginnt mit einem Aufruf zur Selbstreflexion, indem er vor vorschnellem Urteilen warnt. Er verwendet das Bild vom Splitter und Balken, um zu betonen, dass Selbstprüfung vor der Beurteilung anderer kommen muss. In den darauf folgenden Abschnitten unterstreicht Jesus die Bedeutung des Gebets und des bewussten Entscheidens für den schmalen Weg der Gerechtigkeit. Er warnt vor falschen Propheten, die an ihren Früchten erkannt werden können, und betont, dass nur diejenigen, die den Willen des Vaters tun, in das Himmelreich eingehen werden. Das Kapitel endet mit der Aufforderung, Jesu Worte zu hören und zu befolgen, ähnlich einem klugen Baumeister, der sein Haus auf festem Grund errichtet.
Insgesamt zeigt Matthäus 7 die Notwendigkeit auf, im christlichen Leben bewusste Entscheidungen zu treffen, sich selbst zu prüfen, echte von falschen Lehren zu unterscheiden und aktiv nach Gottes Willen zu handeln.
Schlüsselwörter identifizieren (Hier zum nachschlagen)
- Κρίνω (Krino) – „richtet“ und „gerichtet“: Das Wort „Krino“ spielt eine zentrale Rolle in diesen Versen. Es bedeutet „urteilen“, „entscheiden“ oder „beurteilen“. Diese Doppelnutzung des Wortes in aktiver und passiver Form unterstreicht eine reziproke Dynamik: Wie wir urteilen, so werden auch wir beurteilt.
- Ἵνα (Hina) – „damit“: Hina leitet hier den Grund oder die Konsequenz des Nicht-Richtens ein. Es zeigt auf, dass unsere Handlungen, insbesondere das Urteilen, direkte Folgen haben.
- Μέτρον (Métron) – „Maß“: Métron verweist auf den Maßstab oder Standard, den wir bei der Beurteilung anwenden. Es erinnert uns daran, dass die Standards, die wir anderen auferlegen, auch auf uns selbst angewendet werden.
- Μετρέω (Métreo) – „messt“: Métreo betont den Akt des Messens oder Bewertens. Es impliziert, dass wir aktiv an der Bewertung beteiligt sind und dass diese Tätigkeit Konsequenzen für uns selbst hat.
Insgesamt legen diese Schlüsselwörter nahe, dass Jesus seine Zuhörer auffordert, über die Art und Weise, wie sie andere beurteilen, nachzudenken und zu reflektieren. Er betont, dass unser Urteil nicht isoliert ist, sondern dass wir in einem System der Gegenseitigkeit leben, in dem die Maßstäbe, die wir anlegen, letztendlich auch auf uns selbst angewendet werden.
Kommentar zum Text:
- Meyer’s NT Commentary: Hier wird betont, dass „krinein“ (richten) nicht notwendigerweise „verurteilen“ bedeutet. Jesus warnt davor, sich selbst in die Rolle des Richters zu setzen, was ein anmaßendes und selbstgerechtes Verhalten impliziert. Diese Warnung bezieht sich auf das messianische Gericht und die göttliche Gerechtigkeit, welche die Grundlage für unser Verhalten sein sollte. Es geht also nicht um das Verbot jeglicher moralischer Beurteilung, sondern vielmehr darum, ein herablassendes und selbstgerechtes Urteil zu vermeiden.
- Ellicott’s Commentary for English Readers: Ellicott hebt hervor, dass Jesus hier gegen die Tendenz menschlichen Verhaltens spricht, andere zu beurteilen, eine Tendenz, die in jeder Kultur und Religion zu finden ist. Die Juden, als religiöse Führer, neigten dazu, andere Nationen zu beurteilen. Dieser Abschnitt von Matthäus 7 ist also universell anwendbar, weist aber auch auf spezifische Gefahren hin, die mit dem geistlichen Fortschritt einhergehen. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, die Grenzen unseres Urteils zu erkennen und das Bewusstsein und die Sensibilität für das eigene Verhalten zu schärfen.
- Benson Commentary: Benson betont, dass Jesus vor allem vorschnelle und ungünstige Urteile über andere verbietet. Es geht um eine Warnung vor einer rigorosen und uncharitativen Beurteilung anderer, eine Praxis, die bei den Pharisäern verbreitet war. Jesu Worte laden dazu ein, Nachsicht zu üben und die Schwächen der Mitmenschen mit Mitgefühl zu betrachten. Die Art und Weise, wie wir andere beurteilen, wird letztlich darüber entscheiden, wie Gott und die Menschen uns beurteilen.
Zusammengefasst fordert Matthäus 7:1-2 die Gläubigen auf, ein tieferes Verständnis von Gerechtigkeit und Beurteilung zu entwickeln. Es geht nicht darum, auf das Beurteilen zu verzichten, sondern vielmehr darum, wie und warum wir urteilen. Diese Verse fordern uns auf, unsere Herzen zu prüfen und unsere Urteile nicht auf Selbstgerechtigkeit, sondern auf Liebe und Mitgefühl zu gründen. Jesus stellt uns vor die Herausforderung, uns selbst und andere durch die Linse der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit zu sehen.
Persönliche Identifikation mit dem Text:
Stell dir vor, du stehst in einer Situation, in der du fast automatisch über jemanden urteilst. Vielleicht ist es jemand in deinem Umfeld, der sich anders verhält, als du es für richtig hältst, oder eine Person, deren Entscheidungen dir fragwürdig erscheinen. In solchen Momenten kommen Jesu Worte in Matthäus 7:1-2 ins Spiel. „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.“
Wie fühlst du dich in dieser Situation? Empfindest du vielleicht eine Art moralische Überlegenheit oder das Bedürfnis, deine eigenen Werte zu verteidigen? Es ist menschlich, Urteile zu fällen, aber hier fordert Jesus uns auf, innezuhalten und nachzudenken.
Überlege, wie dein Urteil über andere dein eigenes Leben und deine Beziehungen beeinflusst. Wie oft hast du selbst die Gnade und das Verständnis anderer benötigt? Vielleicht gibt es Momente in deinem Leben, in denen du gehofft hast, dass andere nicht vorschnell über dich urteilen.
Diese Verse laden uns ein, unsere eigenen Schwächen und Fehler anzuerkennen. Sie lehren uns, dass das Maß an Gnade und Vergebung, das wir anderen entgegenbringen, auch das Maß ist, mit dem wir selbst gemessen werden. In einer Welt, die oft schnell dabei ist, zu verurteilen und abzustempeln, ist es eine herausfordernde, aber lohnende Übung, Mitgefühl und Verständnis zu praktizieren.
Stell dir nun vor, wie es wäre, wenn du in deinem Alltag bewusst darauf achtest, weniger zu richten und mehr Verständnis zu zeigen. Wie würde das deine Beziehungen zu anderen verändern? Wie würde es dein eigenes Herz verändern?
SPACE*-Anwendung:
Sünde (Sin): In Matthäus 7:1-2 liegt die Sünde im vorschnellen Urteilen über andere. Es geht darum, das Urteilsvermögen, das oft aus Vorurteilen, Hochmut oder Unverständnis entsteht, zu erkennen und zu überwinden. Frag dich: Gibt es Bereiche in meinem Leben, in denen ich zu schnell urteile oder andere verurteile?
Verheißung (Promise): Die Verheißung in diesen Versen ist implizit. Sie liegt in der Hoffnung auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit, die wir erfahren, wenn wir anderen gegenüber barmherzig und verständnisvoll sind. Erinnere dich an Gottes Verheißung, dass mit dem Maß, mit dem wir messen, auch uns gemessen wird.
Aktion (Action): Eine konkrete Handlung könnte sein, bewusst auf das eigene Urteilsvermögen zu achten und zu versuchen, es zu reduzieren. Dies könnte beinhalten, sich Zeit zu nehmen, bevor man über andere urteilt, sich in ihre Lage zu versetzen oder einfach das Gespräch zu suchen, um ihre Perspektive besser zu verstehen.
Gebot (Command): Das klare Gebot hier ist, nicht zu richten. Dies ist ein Aufruf zur Selbstreflexion und zur Entwicklung von Empathie und Verständnis für die Kämpfe und Herausforderungen anderer Menschen.
Beispiel (Example): Ein Beispiel in deinem Leben könnte sein, wie du in der Vergangenheit über jemanden geurteilt und später erkannt hast, dass dieses Urteil ungerecht oder unvollständig war. Oder ein Beispiel, in dem jemand dich ungerecht beurteilt hat und wie das Gefühl war. Diese Erfahrungen können dir helfen, empathischer und weniger urteilend zu sein.
*Die SPACE-Analyse ist eine Methode, um biblische Texte praktisch auf das tägliche Leben anzuwenden. Sie besteht aus fünf Schritten, die jeweils durch die Anfangsbuchstaben von „SPACE“ repräsentiert werden:
