Einleitender Impuls:
„Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss.“ (Johannes 10:10)
Stell dir vor, du lebst dein ganzes Leben mit dem Gefühl, dass immer etwas fehlt – als ob dir ständig jemand den Frieden, die Freude oder den Sinn aus der Tasche klaut, ohne dass du es wirklich merkst. Klingt krass, oder? Aber genau das beschreibt Jesus hier. Die Frage ist: Wer oder was sind diese Diebe in deinem Leben? Sind es Zweifel, die dir den Mut rauben, oder vielleicht Ängste, die dich blockieren? Und dann kommt Jesus mit einer völlig gegensätzlichen Ansage: „Ich bringe Leben – und zwar nicht nur so lala, sondern Leben im Überfluss.“
Aber Moment mal, Überfluss? Bedeutet das, dass du nie wieder Probleme haben wirst? Nein, so einfach ist das nicht. Doch was wäre, wenn dieses Überflussleben genau jetzt schon greifbar wäre – mitten im Chaos? Ein Leben, das voller Sinn und innerer Fülle ist, egal wie wild es manchmal um dich herum aussieht. Wie klingt das für dich? Was könnte sich ändern, wenn du anfängst, dich darauf einzulassen?
Lass uns gemeinsam darüber nachdenken, was das für deinen Alltag bedeuten kann und wie du diese Verheißung von Leben im Überfluss in den kleinen und großen Momenten deines Lebens entdecken kannst.
Fragen zur Vertiefung oder für Gruppengespräche:
- Welche Dinge oder Einflüsse in deinem Leben könnten wie „Diebe“ wirken und dir die innere Erfüllung rauben?
- Was bedeutet „Leben im Überfluss“ für dich? Wie könntest du es konkret in deinem Alltag entdecken?
- Wie kannst du trotz Herausforderungen und Unsicherheiten ein Leben führen, das von Fülle geprägt ist?
Parallele Bibeltexte als Slogans:
Psalm 23:1 — „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen“
Johannes 14:6 — „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“
Römer 8:37 — „In allem sind wir mehr als Überwinder“
2. Korinther 12:9 — „Meine Gnade ist alles, was du brauchst“
Und !? Möchtest du dich noch weiter in dieses Thema vertiefen? Im Anschluss findest du die Schritte die ich für diesen Impuls gegangen bin. Die Informationen hole ich mir meistens aus BibleHub.com damit auch du es nachschlagen kannst.
Hey, schön, dass wir uns die Zeit nehmen, um tiefer in diesen kraftvollen Text aus Johannes 10:10 einzutauchen. Bevor wir uns in die Details stürzen, lass uns die Betrachtung mit einem Gebet beginnen:
Herr, danke, dass wir uns heute diesem Vers widmen dürfen, der so viel über Dein Wesen und Deine Absicht für uns offenbart. Während der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu zerstören, schenkst Du uns Leben – nicht nur irgendein Leben, sondern ein Leben im Überfluss! Öffne unsere Herzen und Sinne, damit wir erkennen, wie tief diese Worte in unserem Leben wirken können. Lass uns in jedem Moment die Fülle spüren, die Du uns schenkst, und uns auf Dich ausrichten, um Dein lebendiges Wort zu verstehen.
In Jesu Namen beten wir,
Amen.
Der Text:
Johannes 10:10 Hfa Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss.
Der Kontext:
In diesem Abschnitt geht es darum, die grundlegenden Fragen – das „Wer“, „Wo“, „Was“, „Wann“ und „Warum“ – zu klären. Das Ziel ist es, ein besseres Bild von der Welt und den Umständen zu zeichnen, in denen dieser Vers verfasst wurde. So bekommen wir ein tieferes Verständnis für die Botschaft, bevor wir uns den Details widmen.
Johannes 10:10 ist Teil eines größeren Abschnitts im Johannesevangelium, in dem Jesus seine Rolle als der „gute Hirte“ beschreibt. Um den Kontext richtig zu verstehen, müssen wir uns ein wenig mit dem Hintergrund dieses Evangeliums und den Umständen beschäftigen, in denen Jesus diese Worte spricht.
Das Johannesevangelium unterscheidet sich in seiner Struktur und Theologie von den anderen drei Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas). Johannes legt besonderen Wert darauf, die göttliche Natur Jesu zu betonen und seine tiefen, geistlichen Lehren hervorzuheben. Im Zentrum steht oft die Frage nach dem Leben, das Jesus den Menschen bringt – sowohl das ewige Leben als auch die unmittelbare Lebensqualität, die sich durch die Beziehung zu ihm verändert.
In Johannes 10 spricht Jesus zu einer Gruppe von Zuhörern, die sowohl aus Pharisäern als auch aus seinen eigenen Jüngern besteht. Der genaue Ort wird nicht ausdrücklich genannt, aber es ist wahrscheinlich, dass Jesus in der Nähe von Jerusalem oder in einem der umliegenden Dörfer spricht, da dies in den Kapiteln davor der Schauplatz ist. Zuvor hatte Jesus eine Auseinandersetzung mit den Pharisäern nach der Heilung eines blind geborenen Mannes (Johannes 9). Diese Pharisäer, die sich als geistliche Leiter des Volkes Israel verstanden, lehnten Jesus und seine Wunder jedoch ab. Das führt uns in den Kontext von Johannes 10.
Hier beginnt Jesus, sich selbst als den guten Hirten zu beschreiben. Diese Metapher war den Menschen damals sehr vertraut, da Hirten und Schafe ein alltägliches Bild in ihrer Kultur waren. Der Hirte symbolisierte in der jüdischen Tradition oft einen König oder geistlichen Leiter, der sein Volk leitet und beschützt. Jesus nimmt dieses Bild und erweitert es: Er ist nicht nur ein Hirte, sondern der wahre Hirte, der bereit ist, sein Leben für die Schafe zu geben. Dies steht im scharfen Kontrast zu den „Dieben und Räubern“, die nur Schaden anrichten wollen – in diesem Fall ein klarer Hinweis auf die religiösen Führer, die das Volk Gottes in die Irre führen.
Johannes 10:10 steht genau an diesem Wendepunkt. Jesus erklärt, warum er gekommen ist und wie sich seine Mission von der der falschen Hirten unterscheidet. Während die „Diebe“ – also all jene, die mit falschen Motiven handeln, sei es durch Machtgier oder religiösen Fanatismus – das Ziel haben, zu stehlen, zu zerstören und das Leben der Schafe zu bedrohen, bietet Jesus das genaue Gegenteil: Er bringt Leben in Fülle.
In dieser Situation geht es also nicht nur um eine allgemeine Beschreibung von Gut und Böse. Jesus spricht konkret in einen kulturellen und religiösen Kontext hinein, in dem die Menschen mit falschen Vorstellungen von Führung und Errettung zu kämpfen hatten. Viele seiner Zuhörer erkannten in Jesus den ersehnten Messias nicht, weil er nicht ihren Erwartungen entsprach. Sie suchten nach einem politischen Befreier, während Jesus das tiefere, geistliche Leben betonte. Die „Diebe“, die Jesus anspricht, stehen also für all jene, die den Menschen falsche Versprechungen machen und sie von der wahren Quelle des Lebens – nämlich Gott selbst – wegführen.
Die Schlüsselwörter:
Johannes 10:10 Ursprünglicher Text (Griechisch – Nestle-Aland 28)
ὁ κλέπτης οὐκ ἔρχεται εἰ μὴ ἵνα κλέψῃ καὶ θύσῃ καὶ ἀπολέσῃ· ἐγὼ ἦλθον ἵνα ζωὴν ἔχωσιν καὶ περισσὸν ἔχωσιν.
Übersetzung von Johannes 10:10 aus dem griechischen Nestle-Aland 28 Text:
„Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich aber bringe Leben, und das im Überfluss.“
Semantisch-pragmatische Kommentierung der Schlüsselwörter
- ὁ κλέπτης (ho kleptēs) „der Dieb“: „κλέπτης“ ist das griechische Wort für einen Dieb. Es beschreibt jemanden, der unrechtmäßig Besitz nimmt und in diesem Kontext symbolisch für alles steht, was das Leben raubt, sei es falsche Lehren, zerstörerische Einflüsse oder auch der Teufel selbst, der uns vom wahren Leben in Christus fernhalten will.
- κλέψῃ (klepsē) „stehlen“: Dieses Verb betont den Akt des Diebstahls. Im geistlichen Sinne geht es nicht nur um materiellen Diebstahl, sondern um das Stehlen von Freude, Frieden und letztlich dem Leben selbst, das uns von Gott gegeben ist.
- θύσῃ (thysē) „schlachten“: „θύω“ bedeutet opfern oder schlachten. Es ist ein drastisches Wort, das den nächsten Schritt nach dem Stehlen beschreibt – die völlige Zerstörung. Es weist auf die ernsthafte Gefahr hin, die der Dieb (oder das Böse) mit sich bringt, wenn wir uns von ihm beeinflussen lassen.
- ἀπολέσῃ (apolesē) „vernichten“: Hier ist nicht nur die physische Zerstörung gemeint, sondern das totale Verderben, das mit dem Diebstahl und dem Schlachten einhergeht. Es spricht von der endgültigen Zerstörung, die der Dieb für seine Opfer im Sinn hat – also der Tod, sowohl physisch als auch geistlich.
- ἐγὼ ἦλθον (egō ēlthon) „Ich aber bin gekommen“: „ἦλθον“ bedeutet „ich kam“ oder „ich bin gekommen“ und weist auf das bewusste Handeln Jesu hin. Er kam mit einem Ziel, und das wird deutlich in den nächsten Worten. Hier wird die Gegenüberstellung zum Dieb klar – während der Dieb zerstört, kommt Jesus, um das Gegenteil zu bewirken.
- ζωὴν ἔχωσιν (zōēn echōsin) „Leben haben“: „ζωή“ (zōē) ist das griechische Wort für Leben, und im Neuen Testament wird es oft als Synonym für das ewige Leben oder das Leben in Fülle verwendet. Es geht nicht nur um das bloße Existieren, sondern um ein Leben, das in seiner ganzen Tiefe und Erfüllung erlebt wird, in Gemeinschaft mit Gott.
- καὶ περισσὸν ἔχωσιν (kai perisson echōsin) „und das im Überfluss“: „περισσόν“ bedeutet „überfließend“ oder „im Übermaß“. Jesus verspricht hier nicht nur ein durchschnittliches Leben, sondern ein Leben, das in Hülle und Fülle da ist – in Freude, Frieden, Liebe und allem, was das Leben in Gott ausmacht. Das ist der Kontrast zu dem, was der Dieb bringt: Statt Zerstörung bringt Jesus Fülle und Leben in Überfluss.
Ein Kommentar zum Text:
Der Vers Johannes 10:10 wirft uns mitten in ein theologisches Spannungsfeld: Auf der einen Seite steht der „Dieb“ (ὁ κλέπτης, ho kleptēs), der nur zerstören will, und auf der anderen Seite Jesus, der Leben im Überfluss (ζωὴν καὶ περισσὸν, zōēn kai perisson) schenkt. Um diese Gegensätze zu verstehen, müssen wir tiefer in die Konzepte eintauchen, die Jesus hier verwendet, und ihre Bedeutung in der gesamten Bibel reflektieren.
Jesus spricht von einem „Dieb“, der kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Interessanterweise bleibt er vage, was die Identität dieses Diebes angeht. Historisch betrachtet, könnte man diesen Dieb als die religiösen Führer seiner Zeit interpretieren, die das Volk in die Irre führten und es von der wahren Erkenntnis Gottes fernhielten. Die Pharisäer und Schriftgelehrten hatten ihre Rolle als geistliche Hirten Israels missbraucht. Doch in einem größeren Sinne könnte dieser Dieb auch als der Inbegriff des Bösen selbst gesehen werden – Satan, der in der Bibel oft als derjenige dargestellt wird, der die Menschen von Gott wegführen will. Jesus selbst bezeichnet Satan in Johannes 8:44 als „Vater der Lüge“ und denjenigen, der „von Anfang an ein Mörder war“. Der Dieb steht also für die Kräfte, die versuchen, das Leben zu rauben, das Gott uns schenkt.
Das Bild des Diebstahls ist hier besonders kraftvoll. Im Alten Testament wird das Stehlen nicht nur als materieller Diebstahl verstanden, sondern auch als der Versuch, den Segen Gottes zu rauben. Ein Beispiel dafür finden wir in Maleachi 3:8, wo Gott sein Volk fragt: „Darf ein Mensch Gott berauben?“ Der Dieb in Johannes 10:10 repräsentiert all jene Kräfte, die versuchen, uns die Segnungen des Lebens und die Freude an der Gemeinschaft mit Gott zu nehmen. Es wäre gut, hier zu erkennen, dass der Dieb nicht nur von außen kommt – oft sind es auch innere Kämpfe, die uns das Leben rauben. Unsere Ängste, unser Stolz, unser Versagen können wie „Diebe“ in unser Leben treten und uns die Fülle des Lebens in Christus vorenthalten.
Nun zum zweiten Verb: „schlachten“ (θύσῃ, thysē). Dieses Wort erinnert uns an das Opfer, das in der jüdischen Tradition mit dem Tempeldienst verbunden war. Schlachten war ein zentraler Bestandteil der Tieropfer im Alten Testament, die zur Sühne von Sünden dargebracht wurden. Doch hier wird das Bild pervertiert – der Dieb schlachtet nicht, um zu sühnen oder zu versöhnen, sondern um zu zerstören. Es ist ein brutales Bild für die Zerstörung von Leben, und es weist auf die ultimative Konsequenz der Sünde hin: den Tod. Paulus spricht in Römer 6:23 von der „Frucht der Sünde“ als den „Tod“. Das Schlachten des Diebes steht hier symbolisch für die ultimative Zerstörung des Lebens – den geistlichen Tod, der uns von Gott trennt.
Das dritte Verb, „vernichten“ (ἀπολέσῃ, apolesē), bedeutet im Griechischen nicht nur physische Zerstörung, sondern es impliziert auch den Verlust von etwas Wertvollem. In Matthäus 10:28 warnt Jesus davor, dass wir uns nicht nur vor denen fürchten sollen, die den Körper töten können, sondern vor dem, der „Seele und Leib für immer vernichten kann“. Hier sehen wir, dass die Auswirkungen des Diebes nicht nur zeitlich, sondern auch ewig sind. Die Zerstörung, die er bringt, hat Konsequenzen, die weit über das irdische Leben hinausgehen.
Doch inmitten dieser dunklen Bilder steht Jesus, der in den Text einstrahlt mit seiner Verheißung: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben.“ Das griechische Wort für Leben, „ζωή“ (zōē), ist hier besonders interessant. Es ist nicht einfach nur das physische Leben, sondern es bezieht sich auf das ewige, erfüllte Leben in Gemeinschaft mit Gott. Jesus spricht immer wieder über dieses Leben, das er bringt, besonders in Johannes 14:6, wo er sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Dieses Leben ist mehr als das Überleben – es ist das Leben, wie es von Gott selbst gemeint ist: voll von Bedeutung, voller Beziehung und voller Freude. Dieses Leben durchdringt alles und hat eine Qualität, die nur in Christus zu finden ist.
Besonders spannend wird es dann, wenn Jesus nicht nur von „Leben“ spricht, sondern von Leben „im Überfluss“ (περισσὸν, perisson). Dieses Wort wird im Neuen Testament nicht oft verwendet und bedeutet so viel wie „überfließend“, „mehr als genug“. Es ist die Idee, dass Jesus uns nicht nur genug gibt, sondern mehr als genug. Hier sehen wir einen Kontrast zu der Idee des Mangels, den der Dieb bringt. Während der Dieb uns in die Leere, den Mangel und die Zerstörung führt, führt Jesus uns in die Fülle, in die überströmende, reiche Fülle des Lebens. Dies erinnert an Psalm 23:5, wo David sagt: „Du salbst mein Haupt mit Öl, mein Becher fließt über.“ Es ist ein Bild der überfließenden Segnung, die uns von Gott gegeben wird, wenn wir ihm vertrauen.
Diese Vorstellung von überfließendem Leben ist theologisch tiefgehend. Sie deutet darauf hin, dass Gottes Absicht mit uns nicht ist, uns nur knapp überleben zu lassen, sondern uns ein Leben in Erfüllung zu schenken. Das bedeutet nicht, dass dieses Leben immer leicht ist – wir wissen aus Erfahrung, dass das Leben in Christus auch Herausforderungen, Leiden und Prüfungen mit sich bringt (Johannes 16:33). Doch die Fülle, von der Jesus spricht, ist eine innere Fülle, die durch die Beziehung zu ihm kommt. Es ist die Freude, die auch inmitten von Schwierigkeiten bestehen bleibt, der Friede, der alles Verstehen übersteigt (Philipper 4:7), und die Liebe, die niemals aufhört (1. Korinther 13:8).
Ein interessanter Aspekt dieses Verses ist die Herausforderung, die er für uns stellt. Denn die Verheißung von „Leben im Überfluss“ kann auf den ersten Blick paradox wirken. In einer Welt, die von Schmerz, Ungerechtigkeit und Tod geprägt ist, scheint diese Aussage fast zu optimistisch oder gar naiv. Wie können wir in einer Welt, die so oft von Mangel und Leid dominiert wird, das Überflussleben erfahren, das Jesus verspricht? Diese Spannung zwischen Verheißung und Realität ist eine Herausforderung für jeden Christen. Es wäre gut, sich zu fragen: Wie kann ich in meinem Alltag die Fülle des Lebens erfahren, die Jesus hier verheißt? Wie sieht dieses überfließende Leben konkret aus, wenn ich mit den Realitäten der Welt konfrontiert bin?
Einige Theologen haben darauf hingewiesen, dass dieses „Überflussleben“ in erster Linie eine geistliche Realität ist. Während wir in dieser Welt Schwierigkeiten und Prüfungen erleben, liegt die wahre Fülle im Leben, das wir in Christus haben – ein Leben, das über den Tod hinausgeht. In Römer 8:37 erklärt Paulus, dass wir „mehr als Überwinder“ sind durch Christus, der uns geliebt hat. Dieses Überwinden bedeutet nicht, dass wir die Probleme dieser Welt nicht erleben, sondern dass wir durch Christus die Kraft haben, inmitten dieser Probleme in der Fülle zu leben, die er verspricht.
Zusammengefasst sehen wir in Johannes 10:10 einen tiefen Kontrast zwischen dem, was der Dieb – sei es Satan, das Böse oder unsere eigenen inneren Kämpfe – in unser Leben bringt und dem, was Jesus uns schenken möchte. Während der Dieb Zerstörung bringt, kommt Jesus, um uns Leben in Hülle und Fülle zu geben. Diese Fülle ist nicht nur eine irdische Realität, sondern eine geistliche Verheißung, die uns über das bloße Überleben hinausführt und uns in eine tiefe, erfüllte Beziehung zu Gott eintreten lässt. Das ist das wahre Leben, das in Christus zu finden ist.
Die SPACE-Anwendung*
Die SPACE-Anwendung ist eine Methode, um biblische Texte praktisch auf das tägliche Leben anzuwenden. Sie besteht aus fünf Schritten, die jeweils durch die Anfangsbuchstaben von „SPACE“ repräsentiert werden:
S – Sünde (Sin): In diesem Text wird die Sünde nicht direkt benannt, aber der „Dieb“, von dem Jesus spricht, könnte als Bild für all das verstanden werden, was uns vom wahren Leben abhält – falsche Einflüsse, Verführungen, die uns auf falsche Wege führen, oder auch unsere eigenen destruktiven Verhaltensmuster. Es wäre gut, wenn wir uns die Frage stellen: Wo gibt es in meinem Leben „Diebe“, die mir die Fülle des Lebens stehlen? Vielleicht sind es Ängste, Zweifel oder bestimmte Entscheidungen, die mich von der Fülle in Christus abhalten. Indem wir diese „Diebe“ entlarven, können wir uns auf das wahre Leben konzentrieren, das Jesus uns schenkt.
P – Verheißung (Promise): Die Verheißung in diesem Vers ist unglaublich kraftvoll: Jesus bringt Leben – und das im Überfluss! Das ist keine vage Idee, sondern eine konkrete Zusage. Diese Fülle des Lebens betrifft nicht nur unser geistliches Leben, sondern unser gesamtes Dasein. Es wäre gut, wenn wir uns auf diese Verheißung täglich besinnen und uns bewusst machen, dass Gott uns nicht nur ein „Überleben“ wünscht, sondern ein Leben, das überquillt vor Freude, Sinn und Liebe. Wenn du heute einen Moment der Leere fühlst, dann erinnere dich daran: Gottes Versprechen an dich ist Fülle – und das in jedem Bereich deines Lebens.
A – Aktion (Action): Was kannst du konkret tun, um dieses „Leben im Überfluss“ zu erleben? Es wäre hilfreich, wenn du kleine Schritte unternimmst, um bewusster in der Gegenwart Gottes zu leben. Vielleicht könntest du eine Gewohnheit entwickeln, bei der du jeden Tag eine Sache bewusst wahrnimmst, für die du dankbar bist, oder eine Person, der du Liebe und Freude bringen kannst. Der erste Schritt zur Fülle beginnt oft mit den kleinsten Handlungen. Du könntest auch überlegen, welche „Diebe“ du entlarven und loslassen solltest, um Platz für diese Fülle zu schaffen.
C – Appell (Command): Der Appell in diesem Text ist, dass wir uns auf Jesus und das Leben, das er bringt, ausrichten sollten. Es wäre gut, wenn du dich fragst: Wo in meinem Leben suche ich noch nach Erfüllung in anderen Dingen? Dieser Appell fordert uns heraus, Jesus als die wahre Quelle des Lebens zu erkennen.
E – Beispiel (Example): Ein Beispiel, das wir hier aus dem Text mitnehmen können, ist das Bild des Hirten, das Jesus verwendet. Jesus selbst stellt sich als der gute Hirte dar, der seine Schafe liebt und schützt. Das können wir auch auf unser eigenes Leben übertragen: Wie können wir in unserem Umfeld, in unserer Familie, in unseren Freundschaften „Hirten“ sein? Es wäre gut, wenn du diese Rolle annimmst – jemand, der anderen das Leben in Fülle ermöglicht, sei es durch ermutigende Worte, Zeit oder praktische Hilfe. Ein weniger bekanntes Beispiel ist Barnabas aus der Apostelgeschichte. Er war nicht so bekannt wie Paulus, aber seine tiefe Hingabe an Gott führte dazu, dass er ein Leben lebte, das viele Menschen beeinflusste. Er gab auf, was er hatte, um anderen zu dienen, und wurde zum „Sohn des Trostes“. Vielleicht könntest du in deinem Alltag ähnlich handeln und dich auf die Dinge fokussieren, die wirklich Erfüllung bringen – nämlich die Beziehung zu Jesus und der Dienst an anderen.
Persönliche Identifikation mit dem Text:
In diesem Schritt stelle ich mir sogenannte „W“ Fragen: „Was möchte der Text mir sagen?“ in der suche nach der Hauptbotschaft. Dann überlege ich, „Was sagt der Text nicht?“ um Missverständnisse zu vermeiden. Ich reflektiere, „Warum ist dieser Text für mich wichtig?“ um seine Relevanz für mein Leben zu erkennen. Anschließend frage ich mich, „Wie kann ich den Text in meinem Alltag umsetzen/anwenden?“ um praktische Anwendungsmöglichkeiten zu finden. Weiterhin denke ich darüber nach, „Wie wirkt sich der Text auf meinen Glauben aus?“ um zu sehen, wie er meinen Glauben stärkt oder herausfordert. Schließlich frage ich, „Welche Schlussfolgerungen kann ich für mich aus dem Gesagten ziehen?“ um konkrete Handlungen und Einstellungen abzuleiten.
Hey, es ist total normal, dass man beim Lesen von Johannes 10:10 in eine gewisse Spannung gerät. Einerseits hören wir diese großartige Verheißung von „Leben im Überfluss“, andererseits sieht unser Leben manchmal ganz anders aus. Ich meine, wir haben alle Momente, in denen sich unser Alltag nach allem anderen als Fülle anfühlt, oder? Diese Spannung ist nicht nur okay, sie ist sogar wichtig. Sie lädt uns ein, tiefer zu schauen und uns zu fragen: Was sagt der Text wirklich – und was eben nicht? Und warum ist das für uns so relevant?
Der Text sagt ganz klar, dass Jesus gekommen ist, um uns Leben zu schenken, und zwar nicht nur ein bisschen Leben, sondern in Überfluss. Das bedeutet: Gott will, dass wir erfüllt, lebendig und in einer tiefen Verbindung mit ihm leben. Aber der Text sagt nicht, dass dieses Leben immer einfach, perfekt oder frei von Problemen ist. Und genau hier liegt die Herausforderung – und gleichzeitig die Ermutigung. Jesus verspricht kein Leben ohne Schwierigkeiten, sondern ein Leben, das auch inmitten von Schwierigkeiten Bestand hat. Für mich heißt das: Es wäre gut, wenn ich diese Fülle nicht mit einem Leben ohne Hindernisse verwechsle. Stattdessen könnte ich mich darauf konzentrieren, wie ich mitten in den Höhen und Tiefen des Lebens dennoch ein erfülltes, von Gottes Gegenwart getragenes Leben führen kann.
Warum ist das so wichtig? Weil wir oft in die Falle tappen, zu denken, dass irgendetwas mit uns nicht stimmt, wenn unser Leben nicht immer nur überfließt vor Freude und Glück. Aber der Text sagt nicht, dass die äußeren Umstände das Maß für die Fülle sind. Die Fülle, die Jesus uns schenkt, ist tiefer. Sie berührt unser Herz, selbst wenn alles um uns herum chaotisch ist. Das ist für mich eine wichtige Erinnerung: Die wahre Erfüllung kommt aus der Verbindung zu Gott, nicht aus den perfekten Umständen. Das gibt mir Hoffnung, gerade wenn das Leben mal schwierig ist.
Und wie wirkt sich das auf meinen Glauben aus? Ganz einfach: Es gibt mir eine tiefere Zuversicht. Ich kann darauf vertrauen, dass Jesus in jedem Moment meines Lebens gegenwärtig ist und dass seine Fülle mir genau dann begegnet, wenn ich sie am meisten brauche. In der Bibel gibt es unzählige Beispiele für Menschen, die inmitten großer Herausforderungen diese Fülle erlebt haben. Denk mal an Paulus im Gefängnis (Philipper 4:11-13), der sagen konnte, dass er in allen Umständen gelernt hat, zufrieden zu sein. Das inspiriert mich, diesen Text nicht als Versprechen für ein „Problem-freies“ Leben zu sehen, sondern als Einladung, in jedem Moment des Lebens in Gottes Fülle zu leben – egal, was passiert.
Wie kann ich diesen Text in meinem Alltag umsetzen? Es wäre gut, wenn ich mir bewusst Zeiten nehme, in denen ich mir diese Verheißung vor Augen führe. Vielleicht morgens, wenn ich in den Tag starte, oder abends, wenn ich den Tag reflektiere. Ich könnte mich fragen: „Wo habe ich heute Gottes Fülle erlebt?“ Manchmal ist das in kleinen Dingen – ein gutes Gespräch, ein Moment der Ruhe, ein kleiner Erfolg. Es kann auch in den schwierigen Momenten liegen, wenn ich merke, dass ich innerlich getragen werde, obwohl die äußeren Umstände stressig sind. Es wäre auch gut, wenn ich regelmäßig überprüfe, welche „Diebe“ gerade in meinem Leben unterwegs sind. Sind es Zweifel, Sorgen, oder vielleicht äußere Einflüsse, die mich von dieser Fülle ablenken?
Und welche Schlussfolgerung ziehe ich für mich daraus? Ich glaube, es ist wichtig zu erkennen, dass das Überflussleben, von dem Jesus spricht, nicht immer laut und spektakulär ist. Manchmal zeigt es sich ganz leise und unscheinbar. Es wäre gut, wenn ich lerne, die kleinen Zeichen dieser Fülle zu erkennen – die Momente, in denen Gottes Liebe und Gegenwart mein Herz füllen. Am Ende bedeutet Leben im Überfluss nicht, dass alles perfekt ist, sondern dass ich in allen Situationen die tiefe Gewissheit habe: Gott ist bei mir, und in seiner Nähe finde ich wahres Leben.
Diese Erkenntnis macht mir Mut, mich der Spannung zwischen der Verheißung und der Realität zu stellen – und darin zu entdecken, dass die Fülle, die Jesus bringt, immer da ist, selbst wenn das Leben gerade nicht so aussieht. Vielleicht ist genau das der Punkt: Die Fülle des Lebens wird nicht immer an den lauten und spektakulären Dingen gemessen, sondern an der Tiefe, die wir in der Beziehung zu Gott finden. Und das ist etwas, das ich in jedem Moment meines Alltags erleben kann.
*Die SPACE-Analyse im Detail:
Sünde (Sin): In diesem Schritt überlegst du, ob der Bibeltext eine spezifische Sünde aufzeigt, vor der du dich hüten solltest. Es geht darum, persönliche Fehler oder falsche Verhaltensweisen zu erkennen, die der Text anspricht. Sprich, Sünde, wird hier als Verfehlung gegenüber den „Lebens fördernden Standards“ definiert.
Verheißung (Promise): Hier suchst du nach Verheißungen in dem Text. Das können Zusagen Gottes sein, die dir Mut, Hoffnung oder Trost geben. Diese Verheißungen sind Erinnerungen an Gottes Charakter und seine treue Fürsorge.
Aktion (Action): Dieser Teil betrachtet, welche Handlungen oder Verhaltensänderungen der Text vorschlägt. Es geht um konkrete Schritte, die du unternehmen kannst, um deinen Glauben in die Tat umzusetzen.
Appell (Command): Hier identifizierst du, ob es in dem Text ein direktes Gebot oder eine Aufforderung gibt, die Gott an seine Leser richtet. Dieser Schritt hilft dir, Gottes Willen für dein Leben besser zu verstehen.
Beispiel (Example): Schließlich suchst du nach Beispielen im Text, die du nachahmen (oder manchmal auch vermeiden) solltest. Das können Handlungen oder Charaktereigenschaften von Personen in der Bibel sein, die als Vorbild dienen.
Diese Methode hilft dabei, die Bibel nicht nur als historisches oder spirituelles Dokument zu lesen, sondern sie auch praktisch und persönlich anzuwenden. Sie dient dazu, das Wort Gottes lebendig und relevant im Alltag zu machen.
